Ein kleines Naturparadies

In typisch schwäbischer Bescheidenheit stellte Heinrich Schenk, Vorsitzender des Sportangelvereins, fest: „Es isch a bißle a Paradies.“ Gemeint ist das Naturschutzgebiet „Kirchheimer Wasen“, das er zusammen mit den Gewässerwarten Karl-Heinz Berschneider und Jürgen Hofmann sowie Nabu-Chef Jörg Altmann den Besuchern der Tour de Kirchheim zeigte. Nicht nur Fische „von A bis Z“, also vom Aal bis zum Zander, tummelten sich dort, sondern auch Silberreiher, Schildkröten sowie Bisam und Nutria. Blühende Seerosen sind eine Augenweide. Über 20 Vogelarten hat Jörg Altmann dort beobachtet. Doch etwas ganz Besonderes ist der Auwald. Aufgrund des kleinflächigen Mosaiks unterschiedlicher Standortverhältnisse zählen Auwälder zu den artenreichsten und vitalsten Lebensräumen Europas. Ihr Kennzeichen ist der wechselnde Wasserstand. Durch die Bevorzugung der Flussauen als Siedlungsraum sind naturnahe Auwälder in Mitteleuropa nahezu verschwunden. „Es ist der größte Auwald entlang des Neckars“, wusste Bürgermeister Uwe Seibold. Zum Lebensraum Neckar gehören für ihn nicht nur das Naturschutzgebiet, sondern auch der Uferbereich und die Weinbergsteillagen. Zwischen Entenfütterplatz und der Gemarkungsgrenze im Süden könnte auf Höhe des alten Sportplatzes eine kleine Insel mit Badebucht entstehen, die Schiffsanlegestelle könnte dort in der Nähe sein und vielleicht könnte irgendwann einmal die Mündung des Mühlbachs naturnah gestaltet werden. „Aber das sind im Moment alles Wünsche, die wohl nicht so schnell verwirklicht werden können“, meinte Seibold. Einen Blick zurück hatte Besucher Fritz Herre: Mit seinen Bildern aus den 1920er- und 1930er-Jahren sowie von den früheren Fußballplätzen und dem Kiesabbau der Firma Blatt im heutigen Naturschutzgebiet kamen für die älteren Kirchheimer viele Erinnerungen wieder hoch. Gemeinderätin Inge Schemminger dankte im Namen des Veranstalters, der Unabhängigen Wählervereinigung, den Referenten und lud die Besucher zum gemütlichen Beisammensein.

Tour de Kirchheim, Herbst 2015

Tour de Kirchheim, Herbst 2015