Zweite Tour de Kirchheim der Unabhängigen ein voller Erfolg

Mit dem Thema „Wasser und Wind“ hatten die Unabhängigen rund 35 Kirchheimerinnen und Kirchheimer zur zweiten Tour de Kirchheim gelockt. Mit einem Blick hinter die Kulissen der Wasserversorgung in Kirchheim startete die Tour an den Brunnen Fronberg I, II und III bei der Gemeindehalle. Bürgermeister Seibold erklärte, warum sich der Gemeinderat 2003 dazu entschlossen habe, den dritten, gut 50 Meter tiefen Brunnen zu bauen. Gemeinderätin Birgit Riecker führte dazu aus, dass es Sinn mache, sich nicht allein von der Bodenseewasserversorgung abhängig zu machen. Der Verkauf nach Übersee sei ein Beispiel nicht vorausschauender Politik gewesen. Und bei Anschlägen auf die Wasserversorgung sei man sonst hilflos.

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Mit dem Bus oder auf dem Traktoranhänger ging es dann zum Wasserreservoir Fronberg an der Brackenheimer Steige. Gemeinderätin Inge Schemminger gab einen kurzen Überblick über die Situation zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als Kirchheim noch mit zehn Pumpbrunnen versorgt wurde. Nachdem es erste Anstrengungen gegeben hatte, eine private Wasserleitung nach Kirchheim zu legen, veranlasste der Gemeinderat den Kauf eines Bönnigheimer Grundstücks, um die Birlingenquelle zu fassen. Eine rund vier Kilometer lange Wasserleitung nach Kirchheim wurde zu diesem Reservoir gebaut, das 175 Kubikmeter Wasser fasste und 341 Haushalte mit Wasser versorgte. Das war im Jahr 1904. Ein weitaus modernerer Hochbehälter wurde 1964 gebaut.

Wasserhochbehälter von 1904 Historisch ist der Hochbehälter von 1904.

Marc Baier und Andre Bauer von den Stadtwerken Bietigheim-Bissingen erwarteten die Kirchheimer am Hochbehälter Speyrer Weg. Die beiden für Betriebsführungen zuständigen Herren berichteten, dass im Hochbehälter das eigene Kirchheimer Wasser mit dem Bodenseewasser gemischt werde. Es hat dann einen Druck von 6,7 bis 7 bar und 17,2 Grad deutscher Härte. Nach einem Blick auf das Wasserbecken erfuhren die Kirchheimer mehr über die Details der Zusammenarbeit mit den Stadtwerken, u.a. vom Bereitschaftsdienst, der rund um die Uhr zu erreichen ist und von regelmäßigen Kontrollen des Mischbehälters Speyrer Weg. Die Planungen für eine Turbine, mit der Energie bei der Einspeisung zurückgewonnen werden soll, würden derzeit noch einmal überarbeitet.

Heiner Blasenbrei-Wurtz, der Experte für Windkraftanlagen, berichtete von den politischen Widerständen, die ihm entgegenschlugen, als er Ende 2002 in Besigheim ein Windrad beantragte. Der Antrag im Gemeinderat wurde sofort kassiert. Heute stehe das beantragte Windrad auf Ingersheimer Gemarkung. Er ging auf die nunmehr veränderten politischen Rahmenbedingungen ein, um Windräder zu errichten. Seiner Meinung nach könne man heutzutage über viele Punkte reden, die früher tabu waren. Sollte Kirchheim ein Windrad bauen, so sei das Gebiet bis zu den Schützenpfadhöfen, dem Ewigkeitssträßle bis zur Einmündung in die B 27 ein geeigneter Ort. Er ist der Meinung, dass ein solches Rad innerhalb von zwei Jahren genehmigt werden kann.

Windkraft in Kirchheim Kräftigen Wind spürten die Tour-Teilnehmer auf den Höhen Kirchheims. Ob er für den wirtschaftlichen Betrieb eines Windrades ausreicht, müsste geprüft werden.

Gefragt nach seiner Motivation, sagte er sowohl der Klimawandel als auch der damit einhergehende Treibhauseffekt seien dafür verantwortlich. Weitere Fragen nach der Effizienz oder auch nach Kleinanlagen beschäftigten die Tourteilnehmer, bis es ihnen zu kalt wurde und sie zum letzten Halt, dem Klärwerk Weidach aufbrachen.

Unabhängigen Gemeinderat Werner Lieberherr wies auf die zunehmende Verschmutzung unserer Abwässer und der Notwendigkeit hin, der Natur das reine Wasser zurückzuführen. Bürgermeister Seibold erwähnte, dass das Klärwerk in den 70 er Jahren erbaut worden ist, mittlerweile in drei Abschnitten saniert wurde und die Gemeinde dabei 3,5 Mio € investiert habe. Fritz Mohn, der Klärmeister, führte die Gruppe durch die verschiedenen Stationen, die das Abwasser nimmt, wenn es aus den Haushalten kommt. Fritz Mohn erklärte die Funktion der Schnecken und der zahlreichen Überlaufbecken im Dorf. Während des Rundganges kam den Kirchheimern der besondere „Duft“ in die Nase, der dadurch entsteht, dass die festen Stoffe vom Abwasser gefiltert werden und am Ende eines längeren Prozesses im Faulturm landen. Fritz Mohn ging auf alle Fragen ein, auch derjenigen, ob der Klärschlamm in der Landwirtschaft verwendet würde. Fritz Mohn verneinte, denn der Kirchheimer Klärschlamm wird nach Ostdeutschland transportiert. Dort dient er als Untergrund zur Bewaldung von Abraumhalden. Das Blockheizkraftwerk (BHKW ) wurde ebenfalls besichtigt, das die Energie liefert, um im Faulturm eine gleichbleibende Temperatur zu gewährleisten und auch das Betriebsgebäude zu heizen.

Abwasser im Gruppenklärwerk Weidach Klärmeister Fritz Mohn erläutert, wie das Abwasser gereinigt und dann der Natur zurückgegeben wird.

Die Teilnehmer waren sich beim gemütlichen Abschluss einig: eine gelungene Sache, die nächstes Jahr wiederholt wird.

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